EAC für Industriemotoren: welche Regelwerke greifen

Drei Eigenschaften entscheiden, unter welche Regelwerke ein Industriemotor fällt: ob er im explosionsgefährdeten Bereich läuft, wie hoch seine Versorgungsspannung ist und ob er synchron oder als Induktionsmaschine arbeitet. Ex-Motoren brauchen ein Zertifikat nach TR ZU 012, Niederspannungsmotoren einen Nachweis nach TR ZU 004, Synchronmotoren zusätzlich TR ZU 020. Über 1000 V AC gibt es bis heute kein EAWU-Regelwerk.
Drei Fragen entscheiden alles
Das EAC-System ordnet Produkte danach ein, was sie sind und wo sie eingesetzt werden, und Motoren bilden keine Ausnahme. Sind diese drei Fragen beantwortet, ergibt sich die Dokumentenliste von selbst.
| Frage | Wenn ja | Wenn nein |
|---|---|---|
| Läuft er im explosionsgefährdeten Bereich? | Zertifikat nach TR ZU 012, verpflichtend | Weiter |
| Liegt die Versorgung zwischen 50 und 1000 V AC? | Erklärung nach TR ZU 004 | Siehe Hochspannung unten |
| Ist es ein Synchronmotor? | Erklärung nach TR ZU 020 | Induktionsmotoren fallen nicht darunter |
Wichtig ist dabei: “explosionsgefährdet” bezieht sich hier nicht auf die Branche. Öl und Gas, Chemie und Lebensmittelverarbeitung sind Wirtschaftszweige, keine Einstufungen. Entscheidend ist, ob im Betrieb die Gefahr besteht, dass der Motor explodiert.
Motoren für explosionsgefährdete Bereiche
Ein Produkt für explosionsgefährdete Bedingungen muss die passende Ex-Schutz-Kennzeichnung tragen und über ATEX- oder IECEx-Zertifikate verfügen. Für die EAWU genügt das allein nicht: Vor der Einfuhr ist ein Konformitätszertifikat nach TR ZU 012 verpflichtend.
Eine Folge davon wird regelmäßig übersehen. Das TR ZU 004 lässt sich auf Ex-geschützte Motoren nicht anwenden. Das TR ZU 012 deckt die Anforderungen an diese Geräte bereits ab, das Niederspannungsregelwerk kommt also nicht zusätzlich obendrauf.
Niederspannungsmotoren
Die Versorgungsspannung ist bei jedem elektrischen Gerät der ausschlaggebende Punkt.
- Niederspannung: über 50 V AC und unter 1000 V AC → TR ZU 004 greift.
- Hochspannung: über 1000 V AC → siehe unten.
Ein Motor, der zwischen 50 und 1000 Volt aufnimmt, fällt unter das TR ZU 004/2011, das Regelwerk über die Sicherheit von Niederspannungsbetriebsmitteln.
Erklärung oder Zertifikat?
Bei Motoren ist es in den meisten Fällen eine Erklärung, und daraus folgt ein praktischer Vorteil. Eine Erklärung lässt sich ohne zusätzliche Prüfung auf europäische Prüfberichte ausstellen, sofern die Norm, gegen die diese Berichte entstanden sind, mit der entsprechenden EAWU-Norm harmonisiert ist.
Der Hersteller kann sich weiterhin für das Schema 3d entscheiden, also für die Prüfung in einem akkreditierten Labor innerhalb der EAWU. Manchmal ist das physisch nicht machbar: Ein Motor kann schlicht zu groß sein, um ihn ins Labor zu liefern. Eine Prüfung am Standort des Herstellers ist dann eine Möglichkeit, die im Einzelfall entschieden wird.
Elektromagnetische Verträglichkeit
Das TR ZU 020 gilt für Geräte mit aktiven elektronischen Schaltungen, die elektromagnetische Felder erzeugen können. Ob ein Motor darunter fällt, hängt von seiner Bauart ab:
- Induktionsmotoren (Asynchronmotoren) fallen nicht unter das TR ZU 020. Sie haben keine aktiven elektronischen Bauteile, und zum Anlaufen ist keine elektrische Verbindung nötig.
- Synchronmotoren brauchen eine Konformitätserklärung. Das Verfahren entspricht dem nach TR ZU 004.
Über 1000 V AC: die Lücke
Für Hochspannungsgeräte gibt es bis heute kein gemeinsames EAWU-Regelwerk. Als dieser Text ursprünglich entstand, im Dezember 2021, war ein solches Regelwerk bei der Eurasischen Wirtschaftskommission in Arbeit, ohne verfügbare Angabe dazu, wann es erscheinen sollte.
Motoren mit einer Versorgung über 1000 V AC unterliegen deshalb allein aufgrund ihrer Spannung keinem technischen Regelwerk. Das ist eine Lücke und keine dauerhafte Freistellung. Bevor Sie sich darauf verlassen, prüfen Sie den aktuellen Stand, denn ein neues Regelwerk verändert die Antwort für eine ganze Produktklasse auf einen Schlag.
Quellen
- TR ZU 012/2011, Über die Sicherheit von Geräten für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen, Eurasische Wirtschaftskommission
- TR ZU 004/2011, Über die Sicherheit von Niederspannungsbetriebsmitteln
- TR ZU 020/2011, Elektromagnetische Verträglichkeit technischer Mittel
- IECEx- und ATEX-Zertifizierungssysteme
Häufige Fragen
Brauchen Induktionsmotoren eine Erklärung nach TR ZU 020?
Nein. Das TR ZU 020/2011 gilt für Geräte mit aktiven elektronischen Schaltungen, die elektromagnetische Felder erzeugen können. Induktionsmotoren, also Asynchronmotoren, haben keine aktiven elektronischen Bauteile und benötigen zum Anlaufen keine elektrische Verbindung, das Regelwerk greift bei ihnen also nicht. Synchronmotoren brauchen dagegen eine Erklärung danach.
Lassen sich europäische Prüfberichte verwenden?
In den meisten Fällen ja. Das übliche Dokument für einen Motor ist eine Erklärung, und sie lässt sich ohne weitere Prüfung auf europäische Prüfberichte ausstellen, sofern die angewandte Norm mit der entsprechenden EAWU-Norm harmonisiert ist. Das Schema 3d mit Prüfung in einem akkreditierten Labor der EAWU bleibt verfügbar, wenn der Hersteller es vorzieht.
Was gilt für Motoren über 1000 V AC?
Bislang nichts. Ein gemeinsames technisches Regelwerk der EAWU für Hochspannungsgeräte gibt es noch nicht; im Dezember 2021 war es bei der Eurasischen Wirtschaftskommission in Arbeit, ohne angekündigten Erscheinungstermin. Motoren mit einer Versorgung über 1000 V AC unterliegen allein auf dieser Grundlage daher keinem Regelwerk.
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